Beat the Beat: Rhythm Paradise (Wii)

Spieleinfos
 Boxart (EU) Boxart (US) Boxart (JAP)
Entwickler: Nintendo
Publisher: Nintendo
Releasedatum: 06/07/2012
ohne Altersbeschränkung
Spieleranzahl: 1-2
Genre: Rhythmusspiel
Musikspiele. Es gibt sie zu tausenden, hier ein Guitar Hero oder Rock Band, dort ein We Sing und hier ein Just Dance, doch im Grunde werden die meisten eher zu einem Partyspiel umfunktioniert, die Musik selber hört man eher beiläufig. Wie wäre es da mit einem waschechten Musikspiel, das im Grunde überhaupt keiner Visualisierung bedarf? Beat the Beat: Rhythm Paradise, Nachfolger des inzwischen 3 Jahre alten DS-Spiels, ist ein solcher Kandidat. Wie viel Rhythmus-Gefühl das Spiel einem abverlangt, erfahrt ihr hier im Review!
 
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Spielinhalt: 
Grundsätzlich setzt das Spiel weniger auf Musik, wie Songs, sondern viel eher auf echte Rhythmen, die in verschiedenste Minispiele gepackt werden, sodass sich hier eine Menge Rhythmusspiele ausprobieren lassen. Vor jedem Spiel erklärt euch ein umfangreiches Tutorial, worauf es ankommt und dann kann es auch schon losgehen. Ihr versucht beispielsweise, auf dem Golfplatz ankommende Bälle mit einem Schlag zu versenken, spielt von Flugzeug zu Flugzeug hoch über den Wolken Badminton, zerstört Dämonen mit einem mächtigen Schwert oder helft in diversen Fabriken aus, Objekte zu bauen und zu lagern. All das natürlich jeweils in einem individuellen Rhythmus. Alle von diesen sind mehr als nur eingängig, sodass einem, mag man auch noch so wenig Gefühl für den Rhythmus haben, die Spiele mit Übung irgendwann gelingen werden.
 
Um das alles und die folgenden Ausführungen besser verstehen zu können, wirft man am besten einen Blick auf folgenden Trailer, der die Spiele auch im Zweispieler-Modus beleuchtet:

Das Spiel verlangt von euch äußerste Präzision bei den Kommandos und ist euch stets mit akustischen Signalen außerhalb des Rhythmus dabei behilflich, zu wissen, wann ihr an der Reihe seid. Langt ihr zu oft daneben, gilt ein Spiel als gescheitert und ihr müsst es nochmal versuchen. Erst mit der Beurteilung „Ok“ gilt das Spiel als geschafft und ein weiteres Spiel wird freigeschaltet. Es gilt nämlich zunächst einmal, verschiedene Runden zu bestehen, die aus 4 Minispielen bestehen, an dessen Ende ein sogenannter Remix wartet. In diesem erlebt ihr Ausschnitte der vorangegangenen Minispiele noch einmal, unter anderem Rhythmus in einem spielübergreifenden Song. Die Herausforderung hier besteht darin, sich an die wechselnden Minispiele zu gewöhnen und im richtigen Moment umzuschalten.
 
Neben der Beurteilung „Ok“ gilt es zudem, „Superb“ zu erreichen, denn nur damit erhaltet ihr auch eine Medaille. Diese benötigt ihr, um die sogenannten Rhythmusspielchen oder Endlosspiele freizuschalten. Doch damit ist noch nicht alle Tage Abend, denn ab und an erwarten euch Challenges, in denen es gilt, in einem vorgegebenen Spiel eine perfekte Leistung hinzulegen. Und mit perfekt ist auch perfekt gemeint – ein Fehler und der Versuch gilt als gescheitert. Es stehen euch insgesamt nur drei Versuche zur Verfügung, schafft ihr es binnen dieser nicht, eine Runde ohne Fehler zu überstehen ,müsst ihr eine Weile erwarten, um nochmals die Gelegenheit dazu zu erhalten.
 
Wie anfangs bereits angedeutet, bedarf das Spiel im Grunde keiner Visualisierung auf dem Bildschirm und gerade das ist so faszinierend. Eigentlich könnte man das gesamte Spiel auch mit geschlossenen  Augen spielen und sich nur auf sein Gehör verlassen. Hier kommt es wohl auf das jeweilige Können und die Vorlieben eines jeden Einzelnen an, doch manche Spiele lassen sich mit Bild vielleicht schon etwas besser spielen, bei anderen hingegen ist es absolut nicht notwendig. Dazu zählen auch solche, die bewusst eine Störung eurer Wahrnehmung vornehmen, indem beispielsweise ein Objekt eure Sicht auf euren Charakter und damit eure Bewegungen verdeckt. Im ersten Moment eine ziemlich fiese Aktion, doch hat man den Bogen erst einmal raus, kann einen auch das nicht mehr aus der Ruhe bringen.
 
 
Ohnehin sollte man versuchen, sich nicht allzu leicht aus der Ruhe bringen zu lassen, denn gerade die Perfekt-Herausforderungen können einen einige Nerven kosten. Frust ist hier nicht selten, auch beim Erreichen der Medaillen, immerhin gibt es auch keine Punkteskala oder Ähnliches, um herauszufinden, wie knapp man denn nun gescheitert ist. Frustrationstoleranz sollte also eine Eigenschaft sein, die einem zumindest nicht ganz fern liegt, um hier auf ganzer Linie Spaß zu haben. Nicht nur die Spiele können einen in den Wahnsinn treiben, auch versteht man die eine oder andere Sache ebenfalls nicht. Die Tutorials eines Spiels, beim ersten Versuch mehr als hilfreich, werden einem zum Beispiel bei jedem Starten des Spiels angezeigt und müssen durch Drücken des Minus-Buttons übersprungen werden, bevor es zum eigentlichen Spiel geht. Auch kann man inmitten eines Spieles nicht „Neustart“ wählen, sondern muss zuerst zurück ins Menü und wieder ins Spiel rein, um es erneut zu versuchen, beispielsweise wenn man während des Versuches bereits merkt, dass es nichts wird mit der Medaille.
 
Die kleinen Vorschaugrafiken vor Beginn eines Spiels sind ebenfalls nett, stören aber den Spielfluss. Mir wäre es lieber, direkt mit einem Spiel starten zu können, als sowohl diese Vorschau und das Tutorial über mich ergehen lassen zu müssen. Immerhin die Rhythmusspielchen und Endlosspiele kann man schneller starten. Die Endlosspiele werden ihrem Namen dabei mehr als gerecht, indem es zum Beispiel darum geht, ein Männchen durch Drücken von A über einen immer schneller werdenden Uhrzeiger springen zu lassen. In einem der ersten Rhythmusspielchen bedarf es oft viel eher Glück als Rhythmusgefühl. Hier muss man ein Aufzieh-Auto so lange aufziehen, dass es in seinem vorgezeichneten Umriss auf der Strecke zum Stehen kommt.
 
 
Egal ob bei den Rhythmus-Minispielen, den kleinen Spielchen oder den Endlos-Kandidaten, das Gefühl, etwas geschafft zu haben, ist großartig. Es mag Momente geben, da möchte man die Wii-Fernbedienung mit aller Gewalt gegen die Wand pfeffern, doch erstaunlicherweise versteht es das Spiel, einen trotzdem weiter zu motivieren, weiter zu trainieren und später das Gefühl des Erfolges noch intensiver ausleben zu können. Der Clou ist nämlich, dass man dem Spiel zu keiner Zeit vorwerfen kann, unglaublich unfair oder unschaffbar zu sein. Man weiß ganz genau, dass es die eigenen Fehler sind, die einem im Zweifel das Genick brechen und einen erneuten Versuch nötig machen.
 
Sollte man es patout nicht schaffen, kann man dem Café einen Besuch abstatten, hier kann man das nächste Spiel auch freischalten lassen, ohne das vorherige Spiel absolviert zu haben. Doch wer macht das schon? Was man eher einmal als Hilfestellung ansehen sollte sind die Demo-Videos, die zu jedem Spiel zur Verfügung stehen. Hier spielt die KI das Spiel vor und man selbst kann sich mit dem Rhythmus und den Aktionen des Spielers noch etwas mehr vertraut machen. Ansonsten dient das Cafè dazu, mit dem Besitzer die eine oder andere Konversation zu führen und sich seine verdienten Boni anzuschauen. Durch das Meistern von Perfekt-Challenges kann man hier beispielsweise diverse Texte zum Schmökern freischalten oder sich die Musik der Spiele immer wieder zu Gemüte führen.
 
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Grafik: 
Da das Spiel auch ohne Bild spielbar ist, wundert es nicht, dass man auf die optischen Eindrücke für den Spieler nicht den allergrößten Wert gelegt hat. Was aber nicht heißen soll, dass man den Blick auf den Bildschirm meiden sollte, im Gegenteil. Wenn man auf den ganz besonderen Comic bzw. leichten Anime-Stil der Reihe steht, wird man hieran sicherlich Gefallen finden. Steht man diesem eher abgeneigt gegenüber, wird man wohl nicht ganz so zufrieden sein. Das Wort „zweckmäßig“ trifft zudem die Grafik recht gut. Doch zweckmäßig muss in diesem Zusammenhang nicht gleich schlecht sein, denn da die Bildschirme selten zu überladen wirken und der Spieler nicht durch Effekte und hochpolierte High-End-Grafik beeindruckt werden soll, liegt der Fokus viel stärker auf der Musik. Trotzdem gibt es einige nette Animationen, auch das absichtliche Verwirren des Spielers scheint den Entwicklern ab und an Freude bereitet zu haben.  Alles in allem eine Grafik, die dem Spiel steht und zu ihm passt, wenn auch gewöhnungsbedürftig.
Sound: 
Was wäre ein solches Spiel ohne seinen Sound? Wobei Sound natürlich nicht gleich Sound ist, immerhin müssen die verwendeten Rhythmen stimmen, um den Spieler herausfinden zu lassen, wie viel Rhythmus in seinem Blut steckt! Doch keine Sorge, dieses Spiel hat’s in dieser Hinsicht wirklich drauf, hier stimmt einfach alles. Die Melodien sind eingängig, mal eher ruhig, mal hektisch und schnell oder rockig. Neben Rhythmen darf man auch „echte Songs“ bei den Remixes erwarten. Vor allem hier kommt übrigens der Vorteil der PAL-Fassung des Spiels zu tragen. In Europa nämlich könnt ihr zwischen der englischen und japanischen Ausgabe wechseln. Die Rhythmen an sich bleiben hier nahezu identisch, es unterscheiden sich aber zum Beispiel die Gesänge und vor allem die Hinweise bzw. Zeichen für den Spieler. Beispielsweise, wenn euch der Boxtrainer Anweisung gibt, wie ihr auf den Boxsack zu schlagen habt, werdet ihr den Unterschied deutlich bemerken. Die Möglichkeit, beide Versionen spielen zu können, ist sicherlich eine nette Sache, doch unterscheiden sich die beiden Soundtracks letztlich doch weniger, als zunächst gedacht, sodass man hierdurch zwar etwas mehr Abwechslung geboten bekommt, einen aber auch kein kulinarisches Highlight erwartet. 
 
Steuerung: 
Die Steuerung ist simpel – mehr als simpel. Doch kommt dadurch Langeweile auf? Keineswegs. Mehr Kommandos als das Drücken von A und in manchen Fällen A+B dürfte man dem Spieler auch gar nicht auf’s Auge drücken, um hier überhaupt noch den Durchblick zu behalten. So passt die Stimmung und die Steuerung funktioniert tadellos. Nur in einigen wenigen Augenblicken, wenn schnelle Kommandos hintereinander gefragt sind, beschleicht einen der Eindruck, einige Fehler liegen am Spiel, da nicht alle Kommandos so gewertet worden sind, wie man selber den Eindruck hatte. Doch das sind Kleinigkeiten. Einfach Wiimote in die Hand nehmen, Tutorial absolvieren und Spaß haben, das ist das richtige Motto für dieses Spiel, wobei es für einige Herausforderungen natürlich etwas mehr Training bedarf. Das hat aber niemals mit der Steuerung zu tun, sondern nur mit dem eigenen Gefühl für den Rhythmus.
 
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Multiplayer: 
Wenn gleich zwei Spieler ihr Rhythmusgefühl unter Beweis stellen wollen, ist das kein Problem. Zwar steht nicht für jedes Spiel ein Zweispieler-Modus zur Verfügung, doch für einige wenige durchaus. Man setzt hierbei voll und ganz auf kooperative Multiplayer-Partien. Man sollte möglichst mit jemandem Spielen, der ähnlich gut im Spiel ist, wie man selbst, da sich der Spaß sonst in Grenzen halten dürfte. Die Spiele, die auch im Multiplayer zur Verfügung stehen, unterscheiden sich hier recht wenig, mit der Ausnahme, dass Kommandos beispielsweise von den Spielern abwechselnd gegeben werden müssen, oder auch simultan. Jedenfalls kommt es am Ende darauf an, wie gut man zusammen harmoniert hat. Letztlich gibt es sogar noch eine Beurteilung für beide Spieler, diesmal auch in Punkten ausgedrückt. Eine nette Dreingabe ist dieser Modus, sodass man nicht immer alleine an den Spielen sitzen muss. Auch hier schaltet man durch Medaillen weitere (Endlos-)Spiele frei.
 
Fazit: 

Für Fans der Reihe wird der Wii-Teil wohl ohnehin ein absolutes Muss sein, doch auch alle anderen mit Lust auf Musik und vor allem dem richtigen Maß an Rhythmus im Blut sollten einen Blick riskieren. Das Spiel ist durch seinen Soundtrack mehr als mitreißend und weiß auf weite Strecken zu motivieren, mögen manche Herausforderungen auch noch so frustrierend sein. Grafisch gesehen kann das Spiel zwar nicht ganz mit dem fantastischen Sound mithalten, Zweckmäßigkeit reicht hier aber allemal aus. Der Multiplayer ist eine nette Dreingabe für ein wenig Abwechslung vom Solospiel und dem Kampf um die Medaillen, während man sich in den Rhythmusspielchen und Endlosspielen noch ein wenig anderweitig austoben darf. Selten hat ein Musikspiel sich sein Genre so zu Herzen genommen wie Beat the Beat: Rhythm Paradise und das sollte man zu schätzen wissen.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!
 

Hier geht's zur Wallpaper-Galerie!


Pro & Contra

+ viele Spiele und Varianten
+ überragender Sound
+ freischaltbare Boni
- Wertungssystem nicht transparent genug
- Grafik nur zweckmäßig

Wertung

Grafik:

Zweckmäßigkeit reicht hier allemal
Sound:

überragender Soundtrack
Multiplayer:

Dreingabe sorgt für Zweispieler-Spaß
Spielspass:
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