Project Zero 2: Wii Edition (Wii)

Spieleinfos
 Boxart (EU) Boxart (JAP)
Entwickler: Koei Tecmo
Publisher: Nintendo
Releasedatum: 29/06/2012
ab 16
Spieleranzahl: 1-2
Genre: Action-Adventure

Da warten die deutschen Wii-Besitzer nun bereits seit ein paar Jahren auf den Wii-exklusiven Project Zero Teil 4 und nun erscheint er gegen Ende der Wii Ära endlich! Ähem, naja fast. Mit Teil 4 hat es nun doch nicht geklappt, aber Nintendo spendierte uns vor kurzem den Deutschland-Release zu Project Zero 2: Wii Edition. Der Name verrät es bereits, nachdem Teil 4 nur für die Wii erschien, wurde der zweite Teil vor knapp 7 Jahren bereits für PS2 und Xbox veröffentlicht. Ob es sich bei der Wii-Version um eine lieblose Portierung oder ein anständiges Remake handelt, klärt unser Test.

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Spielinhalt: 

Project Zero 2: Wii Edition erzählt die schaurigen Erlebnisse der Zwillinge Mio und Mayu, welche sich durch einen unglücklichen Zufall in das Dorf der Götter begeben haben. Dieses wird auch das „verlorene Dorf“ genannt. Es gilt diesem verwunschenen und unheimlichen Ort wieder zu entfliehen, dieses Unterfangen gestaltet sich jedoch schwieriger als erwartet, denn magische Steine verwehren den Zwillingen den gerade betretenen Ort wieder zu verlassen. Um dennoch einen Weg aus dem verlorenen Dorf zu finden, machen sich die beiden daran, das verlassene, schaurige Dorf genauer zu untersuchen. Doch bereits nach den ersten Untersuchungen wird Mayu, die ältere der Zwillinge, von grausigen Visionen geplagt, und als die Geschwister dann wahre Geister vor sich sehen, nimmt eine gruselige Geschichte ihren Anfang…

Im Laufe der Geschichte erfährt der Spieler, was es mit dem verwunschenen Dorf auf sich hat, man wird quasi Teil der Geschichte. Die Zwillinge merken, dass sie am Ende doch mehr mit diesem Dorf zu tun haben, als man auf den ersten Blick denken würde, und man bekommt einen Einblick über die tragischen Ereignisse, die sich im Dorf vor vielen Jahren ereigneten. Dies wird durchweg spannend erzählt und schaurig in Szene gesetzt. Wie man es eben von einem solchen Spiel erwarten würde, und man wird nicht enttäuscht. Dabei nutzt Project Zero 2 alle klassischen Grusel-Kniffe, die man von diversen japanischen Horror-Filmen wie etwa Ring bereits kennt.

Als doppeltes Lottchen nehmt ihr in dem verfluchten Dorf die Beine in die Hand und untersucht Häuser und verschiedene Orte, um irgendwie einen Weg aus dem Dorf zu finden. Dabei stoßt ihr immer wieder auf Geisterwesen, manche sind neutral, manche wollen euch an die Wäsche, aber immer gilt, dass es Project Zero 2 vorzüglich gelingt, einen dauerhaften Angstschleier auf den Spieler zu übertragen. Jeder Gang in einen neuen Raum, jeder Griff in eine Schublade birgt die Gefahr der schaurigen Überraschung. Subtiler Grusel, wo ihr auch nur hinschaut. Immer wieder knarzt, ächzt oder wuselt ein Geist vor euch rum. Oft nur in der Ferne, ohne direkte Auswirkung.

Geistersafari? 

Im Laufe des Abenteuers löst ihr kleine Rätsel und müsst euch natürlich gegen eure übernatürlichen Widersacher erwehren. Zu diesem Zweck findet ihr bereits recht schnell die sagenumwobene Camera Obscura, mit dieser können die Zwillinge Geister bannen, aber weitere mystische Reaktionen hervorrufen. Doch die meiste Zeit nutzt ihr diese, um euch gegen Geisterattacken zu schützen. Die Kamera ist teilweise aufrüstbar, ihr könnt verschieden starke Filme, aber auch Objektive finden und ausrüsten, um dadurch ein noch besserer Geisterjäger zu werden und die Geschichte des verwunschenen Dorfes zu lösen.
 
Neben der eigentlichen Geschichte gibt es auch noch einen weiteren Spielmodus, welcher auf den Namen Geisterhaus hört. Dieser neue und exklusive Modus ist am ehesten mit einer Fahrt in der Geisterbahn zu beschreiben. Ihr lauft in der Ego-Perspektive wie auf Schienen durch ein Geisterhaus und sollt euch gehörig gruseln, dabei steuert sich der Geisterhaus-Modus je nach gespieltem Geisterhaus immer etwas anders. In jedem Fall dürft ihr euch immerzu umsehen und solltet eine ruhige Hand behalten, denn das Spiel misst, anhand eures Gewackel, wie viel Angst ihr habt. So ganz überzeugen konnte uns das System noch nicht, da je nach Level auch mal der Einsatz der WiiMote benötigt wird und wir den Verdacht haben, dass dadurch falsche Messungen entstanden. Als nette Dreingabe in Ordnung, aber mehr auch nicht.
 
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Grafik: 

Portierung oder Remake, das ist hier die Frage. Rein optisch gesehen lässt sich die Frage auch nicht so ganz leicht beantworten. Doch ist am Ende doch zu viel neu, als dass man es als simple Portierung betiteln darf. Schon allein der Umstand, dass die Darstellung der Charaktere nun eine andere ist. Denn im Original liefen die Charaktere noch durch feste Bildabschnitte, ähnlich den klassischen Resident Evil-Titeln. Project Zero 2 orientiert sich bei seiner Mechanik und Optik dabei am vierten Teil der Serie. Ihr schaut eurer Spielfigur also direkt über den hübschen Rücken und könnt durch die Level marschieren. Dies sieht nicht nur besser aus, sondern unterstützt auch die drückende, gruselige Atmosphäre nochmals ein gutes Stück.

Insgesamt sieht Project Zero 2: Wii Edition wirklich gut aus, gerade die Zwillinge Mio und Mayu wurden noch mal stark überarbeitet, aber auch die ein oder anderen Details der Level wurden nochmals überarbeitet und erstrahlen im neuen Licht (oder eher Schatten). Aber optisch hat Project Zero 2 auch so seine kleinen Fehler. Teils grobe oder matschige Texturen hat man auch auf der Wii schon besser gesehen. Allerdings fallen diese auch nur auf, wenn man diesen zu nahe kommt.

Sound: 

Auf die Ohren gibt es…wenig. Project Zero 2 legt klar den Fokus auf wenige, dafür aber atmosphärische Klänge und Melodien. Doch damit machten die Sounddesigner alles richtig, denn der gewünschte Effekt, dass dieser nur zögerlich eingesetzte Sound die Atmosphäre noch gruseliger macht, ist vorzüglich gelungen. Am besten kommt das Ganze dann mit einer guten Dolby-Anlage zur Geltung, denn wenn man rechts hinten, oder vorne links einen Geist, oder einfach nur ein Geräusch vernimmt, ist dies nochmals spannender, als wenn man dies nicht orten kann. Überdies gibt es eine sehr gute englische Sprachausgabe, auch wenn es in diesem Fall nett gewesen wäre, eine Wahlmöglichkeit zwischen englischer und japanischer Sprachausgabe gehabt zu haben, da die japanische Sprachausgabe für viele Fans der Reihe wohl authentischer gewesen wäre. Doch damit bleibt sich die Serie eigentlich nur treu, denn in der Vergangenheit konnte man dies auch nicht auswählen.

Steuerung: 

In aller Regel entscheidet das Gameplay über Gedeih und Verderb eines Spieles. Doch auch eine missratene Steuerung kann schnell zu Frust führen. Gerade Wii-Spiele haben zu Beginn der Ära teilweise arg unter der zwanghaften Integration der Wii-Features gelitten. Es gibt eine ganze Menge „Core-Games“, die mit einer „normalen“ Steuerung auf der Wii deutlich besser rübergekommen wären, als mit aufgesetzter Fuchtel-Steuerung. Mit der Zeit ließ die übertriebene Einbindung nach, oder die Entwickler waren so schlau, zumindest eine alternative anzubieten.

Im Falle von Project Zero 2 kann man zwar nicht von Steuerungs-Frust sprechen, doch auch zu Begeisterungs-Stürmen haben wir uns nicht ansatzweise hinreissen lassen. Die Steuerung ist nicht im geringsten intuitiv, und auch Dynamik ist eher ein Fremdwort. Wer jetzt Angst hat, dass die Wii-Features wie zur guten alten Zeit massenhaft in das Spiel Einzug gehalten haben, der täuscht sich. Ganz um Bewegungsteuerung kommt man nicht herum, aber die Dinge, die das Spiel bietet sind nicht sonderlich schlimm, sondern sind entweder neutral zu bewerten oder können sogar als gut empfunden werden.

Das Gegenteil ist der Fall, Project Zero 2 hätte eine stärkere Einbindung einiger Wii-Features sogar gut getan. Die meiste Zeit rennt ihr in Project Zero mit einer Taschenlampe durch die schaurigen Level, eigentlich drängt sich die Steuerung der Taschenlampe durch die WiiMote, mit der „Pointer Funktion“, geradezu auf, Silent Hill: Shattered Dimensions zeigte hervorragend, wie dynamisch so etwas sein kann. In Project Zero 2 kann man mit der WiiMote geradeeinmal entscheiden, dass die Spielfigur die Taschenlampe etwas nach oben, oder nach unten hebt. Sehr unverständlich eine solche Entscheidung, auch die Steuerung der Camera Obscura hätte durch vernünftiges Einbinden der Wii-Steuerung deutlich besser ausfallen können. Dies sind nur zwei Beispiele, doch diese stehen stellvertretend für das gesamte Steuerungskonzept, welches sich einfach nicht so butterweich und gut anfühlt, wie es sich unserer Meinung nach anfühlen könnte. Aber wie schon erwähnt, bekommt man nicht gerade einen Krampf oder verliert die Lust am Spiel. Aber hier wäre deutlich mehr drin gewesen. Besonders die Sache mit der Taschenlampe hätte der ohnehin schon sehr guten Atmosphäre noch einen weiteren Pluspunkt hinzugefügt.

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Multiplayer: 

Ja, Project Zero hat einen Mutliplayer. Eigentlich ist ein Zweispielermodus für ein so schauriges Spiel, wie Project Zero 2 nunmal eines ist, eher abträglich. Denn der wirkliche Schauder will nur dann aufkommen, wenn man alleine ist. Allerdings sind unsere Spielfiguren ja auch nicht allein, sondern schleichen sich stets zu zweit durch das Dorf. Daher macht ein Zweispieler-Modus Sinn, auch wenn der zweite Spieler nur recht wenig in's Spielgeschehen eingreifen kann. Im Geisterhaus-Modus beispielsweise kann ein zweiter Spieler einige Aktionen ausführen, wie etwa Geister erscheinen lassen oder auch die Fernbedienung des eigentlichen Spielers vibrieren lassen. Im Story-Modus kann der zweite Spieler dabei helfen die Camera Obscura zu bedienen, zusammen kann man einen Synchron-Schuss vollführen, welcher stärker ist und auch mehr Punkte bringt. Eine nette Dreingabe, und vor allem im Story-Modus eine nette Sache für Leute, die eigentlich nur zuschauen wollen, aber so dann doch ein wenig mit Eingreifen können.

Fazit: 

Gegen Ende der Wii-Ära ist Nintendo bemüht, noch regelmäßig qualitativ hochwertige Titel auf den Markt zu werfen, über die sich vor allem auch Core-Gamer freuen dürfen. Ja, sogar Spiele, die es in Deutschland und Europa eher schwer haben, da sie einfach eher Nischen-Titel sind, und ein großer Erfolg vermutlich auch von Nintendo gar nicht erwartet wird. Project Zero 2 ist genau so ein Nischentitel. In Zeiten in denen sich grade im Bereich der Horror-Spiele eher die Action betonten Titel verkauften, kommt mit Project Zero 2: Wii Edition ein Spiel, welches in eine gänzlich andere Kerbe schlägt. Unheimlich, beklemmend, aber auch unaufdringlich kommt dieses schaurig schöne Spiel daher. Die undynamische Steuerung nervt, die Optik überzeugt und die überaus gelungene Atmosphäre, samt interessanter Geister-Story, konnte uns überzeugen. Wer sich also endlich mal wieder gescheit gruseln möchte, der kommt um Project Zero 2 nicht herum. Wer es actionbetonter mag, wird eventuell nicht so recht warm werden mit dem doch eher gemächlichen Spielablauf.


Pro & Contra

+ stimmungsvolle, gruselige Atmosphäre

+ gute (englische) Synchro

+ spannende Geschichte

- Steuerung gewöhnungsbedürftig

 

Wertung

Grafik:

Schöne Figuren und Kulissen, teilweise matschige Texturen
Sound:

Unterstützt die Atmosphäre bestens
Multiplayer:

Nette Dreingabe, aber kein vollwertiger Multiplayer
Spielspass:
Noch keine Bewertungen

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